Boris Mikhailov. Time is out of joint. Fotografien 1966-2011, 24.02.2012 – 28.05.2012, Berlinische Galerie \\\ Борис Михайлов

Fotografie: Martin Sachse 02.2012

Nach der Ausstellung „Seidenstücker“ beweist die Berlinische Galerie erneut ihr Gespür für interessante Positionen der Fotografie mit „Boris Mikhailov, Time is out of Joint. Fotografien 1966-2011“. Boris Mikhailov ist ein extrem vielseitiger Fotograf und gehört sicher zu den bedeutendsten Vertretern der Gegenwartsfotografie. Die Vielfalt spiegelt sich in den Themen, aber auch der fotografischen Technik. Dabei wandelt der Künstler zwischen dokumentarischen und konzeptuellen Ansätzen und überrascht dabei stets aufs Neue. Boris Mikhailow stammt aus Charkow und begann in den sechziger Jahren mit der Fotografie als Ingenieur einer sowjetischen Raketenbaufirma. Um seine künstlerische Intention zu verwirklichen, konnte er seinen Arbeitgeber überzeugen, einen Film über das Werk zu drehen und erhielt das nötige Equipment. Das wurde die Grundlage für sein künstlerisch-fotografische Werk. Seine frühen Bildexperimente und späteren Arbeiten waren alles andere als sowjetkonform. So wird dem Betrachter ein sicher ungewöhnlicher Blick auf die ehemalige Sowjetunion gewährt, der nicht selten provokant und subversiv ist – und sicher auch schockiert. Mikhailovs schonungslose Sicht findet sich auch in späteren Arbeiten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, so der Serie CASE HISTORY, Menschen am Rande der Gesellschaft, die er ab 1997 realisierte. In teils verstörenden Bildern zeigt er ungeschminkt diese Menschen, Ihre Wunden und Verletzungen. Auch die westlichen Gesellschaften tabuisieren Themen wie Leid und Ausgrenzung und können in hier in Boris Mikhailov einen Künstler finden, der ihnen die Tür in diese Welt öffnet. Denn auch bei uns sind sie Bestandteil der Gesellschaft. Auch das Thema Obdachlosigkeit findet sich im Werk von Mikhailov wieder. Nicht nur in den Ländern des ehemaligen Ostblocks haben die politischen Änderungen in ungeahnter Weise Verlierer und Gewinner hervorgebracht und die soziale Schere in erschreckender Weise geöffnet. Setzt man das Werk des Künstlers gegen die Realität, scheint es gleich auch wieder „sanfter“. Boris Mikhailov war nicht inhaftiert, hat dennoch die Grenzen des politischen Systems in der Sowjetunion kennengelernt, so auch durch eine von Staatsmacht verhinderte Ausstellung. Seine Arbeiten verschwanden aus einem Schließfach. In Berlin präsentierte sich der Künstler mit einem angenehmen Humor, wobei seine Persönlichkeit einen zusätzlichen Zugang zu seinem Werk bot. Eine wichtige Ausstellung, die nicht versäumt werden sollte.

Boris Mikhailov Luriki, 1981 Courtesy Galerie Barbara Weiss, Berlin. Mit freundlicher Genehmigung der Berlinischen Galerie.

 

O-Ton (Auszug) von der Pressekonferenz

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