Von unterschiedlichen Sicht- und Denkweisen

Die unterschiedliche Denkweise von kritischen Intellektuellen und der Politischen Klasse ist nicht neu. Doch scheint sich dieser Gegensatz der Sicht- und Denkweisen zunehmend zu verschärfen. So ist es erfreulich, dass man in Fachmagazinen wie „Der Architekt“ Kommentierungen entdeckt, wie sie in den Tagesmedien und Stellungnahmen von Politikern eher nicht vorkommen. So nimmt „Der Architekt“ in seiner Ausgabe 4/13 Aussagen des Bundespräsidenten, Herrn Gauck, zum Anlass eines Kommentars unter dem Titel: „Mielkes feuchte Träume“. Grund waren Aussagen Herrn Gaucks in einem ZDF-Sommerinterview Ende Juni 2013, in dem der NSA-Skandal relativiert wurde. So führte Herr Gauck wohl aus: „wir wissen zum Beispiel, dass es nicht so ist wie bei der Stasi und dem KGB, dass es dicke Aktenbände gibt, in denen unsere Gesprächsinhalte alle aufgeschrieben und schön abgeheftet sind, das ist es nicht“. „Der Architekt“ schreibt: „Damit hat er natürlich recht, wenn auch nicht so, wie er es intendiert hatte“. Damit ist es auf den Punkt gebracht. Zwischen der Staatssicherheit der DDR und den Abhörpraktiken von heute liegen 25 Jahre Technologieentwicklung. Jeder kann heute geortet werden, kein Spitzel mit Einkaufsbeutel und Bommelmützchen muss hinter Andersdenkenden hinterherdackeln. Nicht durch Fleißarbeit an der Schreibmaschine und einfachen Tonaufzeichnungen wird die Datensammelwut befriedigt, sondern durch hocheffiziente Soft- und Hardwarelösungen wie im Utah Data Center. Dem Autor des Fachmagazins „Der Architekt“ gilt der Dank, dass er auch noch die Vergleichsberechnung mitliefert: Die BStU „hortet nach eigenen Angaben 111.200 Regalmeter Akten. Nimmt man nun die realistische Berechnung zur Grundlage, dass pro Regalmeter etwa 25 Millionen bytes anfallen, dann würden die von der BStU erfassten Daten sich auf rund 2.8 Terabyte summieren und damit auf eine handelsübliche Festplatte passen….“ (Zitatende, Der Architekt, 4/13). Weiter führt der Autor aus, dass im Utah Data Center in Yottabytes gemessen wird und dass es sich bei einem einzigen Yottabyte um 360 Miiliarden mal so viele Daten handelt, wie bei allen Stasiunterlagen zusammen. Auch wenn Rechenkünstler auf die Idee kämen, hier nachzurechnen und man um ein byte mehr oder weniger streiten würde, bleibt festzustellen: Die gigantische Datensammelwut und der mögliche Missbrauch dieser, ist nicht einfach beängstigend, sondern eine schwere Verletzung der Menschenrechte und der freien Selbstbestimmung der Menschen. Hier zeigt sich eben nicht nur ein Unterschied der Intellektualität von Denkweisen, sondern eine politische Sicht, die Probleme verharmlost. Sie ist Ausdruck eines politischen Systems, dass seine Quellen aus Machterhalt und nicht aus demokratischer Erneuerung bezieht. Sicher werden viele erst aufwachen, wenn es zu spät ist, wie die jüngste Geschichte belegt. Das muss die „Abhörspezialisten“ auch nicht beunruhigen. Denn die sog. Wende hat 1989 in Deutschland bewiesen, dass sie nichts zu befürchten haben. In der Zwischenzeit dürfen sich die Nicht-Verdummten darüber freuen, dass ihre Sichten der Zeit voraus sind – oder auch nicht – wenn die Erkenntnis so bitter ist, wie im hier aufgezeigten Fall.

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One Response to Von unterschiedlichen Sicht- und Denkweisen

  1. Viktor Koss says:

    Herr Bundespräsident Gauck: “wir wissen zum Beispiel, dass es nicht so ist wie bei der Stasi und dem KGB, dass es dicke Aktenbände gibt, in denen unsere Gesprächsinhalte alle aufgeschrieben und schön abgeheftet sind, das ist es nicht”

    ….

    Wir wissen gar nichts!

    Und den Rechtsstaat, insbesondere seine hohe amtliche Vertreter sollte vor allem das Wesen der verletzenden Rechte interessieren. Ob eine Verletzung durch Sammlung und Verwendung sonst geschützten Daten über die private und soziale Sphäre Lebensgestaltung stattfindet oder nicht, weiß niemand, der Bundespräsident ebenso nicht wie jeder andere Bürger.

    Nicht nur aus diesen Gründen ist es äußerst gefährlich die offene Fragen bezüglich Sammlung, Auswertung und Verwendung der Daten durch NSA&Co. durch Vergleiche mit nicht mehr existenten Schrecken der Vergangenheit zu vergleichen um daraus eine moralische Stellung zu beziehen dass das was gerade geschehe nicht so schlimm sei, oder so gar noch schlimmere Folgen haben könnte. Wir wissen es nicht ,weil es keine notwendige demokratische Kontrolle der Auswertung der grenzüberschreitenden Verletzungen der Rechte der Millionen Bürger existiere. Besorgniserregend ist eine traurige Tatsache dass niemand über gesetzlichen Verbesserungen nachdenkt um eventuellen Missbrauch rechtlich zu regeln.

    Findet eine Verletzung der Grundrechte durch die gegenwärtige Entwicklung statt?

    Ja, die Grundrechte werden laufend verletzt.

    Wie reagiert man auf diese Tatsache?

    Mit der Unterstützung der Verletzung der Grundrechte und mit der Forderung des Missbrauchs.

    Traurig und brandgefährlich für den Zustand der Rechtsstaatlichkeit allgemein und wahre Achtung der Grundrechte.

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