Ein noch nicht veröffentlichtes Buch unterliegt einer indirekten Zensur

Das Buch „Umvolkung“ von Akif Pirinçci

 

Bürger der ehemaligen DDR kennen noch die Probleme, sog. Westliteratur oder einfach verbotene Bücher zu erwerben. Nicht selten hatten der Besitz und die Verbreitung strafrechtliche Konsequenzen. Meine damalige französische Freundin schmuggelte zahlreiche Bücher von Westberlin in die DDR und bediente sich dabei diplomatischer Kontakte.

Ein unrühmlicher „Höhepunkt“ der deutschen Geschichte war die Bücherverbrennung in der NS-Zeit. Diese Zeiten glauben wir längst hinter uns gelassen zu haben. Das Grundgesetz garantiert in Art 5 (1):

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“
(Hervorhebung durch den Verfasser)

Nun soll der Buchgroßhandel dem Verlag des Autors mitgeteilt haben, dass er das Buch „Umvolkung“ nicht vertreiben werde. Das käme einer indirekten Zensur gleich. Da mir das Buch noch nicht vorliegt, kann ich seinen Inhalt hier auch nicht vorstellen resp. bewerten. Darum geht es derzeit auch nicht. Es geht um das Zulassen auch unbequemer Meinungen und einer Streitkultur, die diesen Namen verdient. Journalisten und Autoren haben in der Vergangenheit zunehmend berufliche Konsequenzen wegen ihrer Veröffentlichungen hinnehmen müssen – und genau das ist nicht hinnehmbar. Diese faktischen Berufsverbote sind nicht nur für die Betroffenen existenziell, sondern vor allem für die Bürger relevant, die in der Lage sein müssen, sich ihre Meinung aus unterschiedlichen Quellen zu bilden. Das Unbequeme eingeschlossen.

Es wäre wohl zynisch zu schreiben, Bücher die erst gar nicht erscheinen oder vertrieben werden, muss mann auch nicht verbrennen. Allein der Gedanke an eine zunehmende Meinungs- und Gesinnungsdiktatur muss aber aufgeklärte Menschen für solche Entscheidungen und ihre Auswirkungen sensibilisieren. Dem Geist der Aufklärung entspricht all das nicht.

Seinerzeit hatte Heinrich Heine weit vorausgedacht, als er schrieb:

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

(Heinrich Heine)

Davon sind wir hoffentlich noch weit enfernt. Im Interesse von Demokratie und Rechtsstaat ist aber allen Entwicklungen dieser Art eine entschiedene Antwort zu geben, damit wir nicht alsbald wieder von Entwicklungen überrollt werden, die wir längst überwunden glaubten.

Weiterführender Link:

Medien in der DDR und Medien heute – eine Analogie

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