Francisco de Goya zwischen Aufklärung und Inquisition

Aktuelle religiöse Konflikte folgen immer noch alten Mustern…

 

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Francisco de Goya, 1799, Capricho № 43: „El sueño de la razón produce monstruos“, Radierung und Aquatinta
(Quelle: Wikimedia Commons)

 

Zitat:

„Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“

Francisco de Goya

(Quelle: Wikipedia, Originaltitel: El sueño de la razón produce monstruos, Blatt Capricho Nr. 43)

 

Kunsthistoriker streiten über die Übersetzung des Wortes „sueño“, das sowohl Schlaf oder Traum bedeuten kann. Der aufgeklärte Geist von Francisco de Goya lässt aber eine Deutung als Schlaf zu. Goya musste sich wegen des Gemäldes „Die nackte Maja“ vor der Inquisition verantworten, aber auch wegen der grafischen Blätter aus der Sammlung „Los Caprichos“. Heute werden wieder Künstler bedroht, die für sich die Kunstfreiheit einer aufgeklärten Gesellschaft in Anspruch nehmen – wie im Fall der Karikaturisten von Charlie Hebdo. Hier sehen sich Angehörige islamischer Glaubensgemeinschaften als Kontrollinstanz. Es ist vielleicht einfach eine Frage der zeitlichen Entwicklung einer Religion, die den Unterschied prägt. Denn auch die „westliche“ Kirche musste durch Aufklärung und damit verbundene demokratische Staatsreformen ihre Rolle als „Kontroll- und Zensurinstanz“ aufgeben. Das zu akzeptieren kann als Chance gesehen werden, aktuelle fundamentalistische Sichten und Interpretationen des Islam zu überwinden. Unabhängig davon, dass auch die westlichen Kirchen in ihrer aktuellen Ausgrenzung Andersdenkender und der Instrumentalisierung gesellschaftlicher Themen im Interesse der Politik und eigener, nicht selten wirtschaftlicher Interessen, erneut Anlass einer kritischen Hinterfragung sind. Das betraf auch die Kirche im Nationalsozialismus und in der ehem. DDR, die „Kirche von unten“ der 80er Jahre ausgenommen. Es ist nicht Aufgabe der Kirche dafür zu sorgen, dass die Bürger weiterhin zwischen Tiefschlaf und „Träumereien“ verharren.

Das zu betonen ist deshalb so wichtig, damit der „Schlaf der Vernunft“ nicht noch mehr Ungeheuer gebiert!

Auch wäre die Rolle der „Drahtzieher“ hinter den Konflikten und der Einfluss der Finanzoligarchie auf politische Entscheidungen aufzuklären. Denn damals wie heute geht es immer um die Macht der Wenigen gegen den Rest der Menschheit. Ob die postdemokratischen Strukturen das noch zulassen, ist allerdings zu bezweifeln. Also düstere Aussichten und Konjunktur für Verschwörungstheorien, wobei sich letztere nicht selten als die schwer zu ertragende Wahrheit erwiesen haben.

Bis der letzte Bürger das begreift, gilt: „El sueño de la razón produce monstruos“.

 

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