Gastbeitrag von Peter Helmes // Zum Buch „Generation Yolo“ von Sebastian Böhm

Ein konservativer Bestseller: Sebastian Böhms „Generation Yolo“ *

 

Ich bin fasziniert! Das Buch hat es in sich. Eine Philippika, eine Suada*) gegen den Zeitgeist und folgerichtig gegen die Trägheit diesem Zeitgeist gegenüber. (*Den Begriff Suada habe ich bewußt gewählt; er kommt vom lateinischen Wort suadere = überzeugen.)

Mit Verlaub, der Junge überzeugt! Er schreibt frisch und frech – wie es sich für einen Vertreter seiner Generation gehört. Aber er vermeidet komplett den (für uns Alte oft unverständlichen) „Jugendsprech“. Nicht nur das, er hebt sich bewußt vom „jugendlichen Einheitsbrei“ ab, so als wollte er uns sagen: Es sind nicht alle gleich! Man kann, man darf auch besser sein!

Übrigens eines der Hauptanliegen seines Werkes: Der Gleichheitswahn, mit dem er in Schule und Leben konfrontiert wird, geht ihm gehörig auf den Geist. „In unserer Meritokratie sind vor allem Leistungseliten gefragt, und es gibt im Übrigen auch keinen Spielraum, was die Ausweitung der genannten Personenkreise (er meint „die Masse“/PH) betrifft. Denn eine Elite gehört genau an dem Tag auf, eine Elite zu sein, wenn sie zum Durchschnitt wird…“, beschreibt Böhm seine Kampfansage an den Gleichheitsglauben der (linken) Zeitgeistigen. Das alleine ist schon eine Todsünde wider den Geist der „´68er“.

Kein Zweifel, hier schreibt ein Konservativer, aber er hat so gar nichts „Verstaubtes“ an sich. Selbst Themen, die naturgemäß etwas sperrig sind, bringt Böhm durch seine unverquaste Schreibe zum Leben. Man nimmt ihm ab, daß er es ehrlich meint, aber er ist kein altkluger Besserwisser. Eher umgekehrt, er bedauert, daß der Zeitgeist nicht lebendig, sondern vergruftet ist und daß von ihm keine Antworten zu erwarten sind. Er, Böhm, hat den Zeitgeist zum Duell gefordert, doch der hat gekniffen.

Im (dem Stil nach offensichtlich von ihm selbst verfaßten) Klappentext des Buches faßt er im Kern sein Anliegen sehr brauchbar und unmißverständlich zusammen:

„Sie fühlen sich von Idioten umgeben? Sie sind chronisch wütend, verstehen die Welt nicht mehr, wenn Sie das Haus verlassen und drehen in Anbetracht täglicher News schon fast am Rad? So geht es mirauch – mit gerade mal 17 Jahren. „GENERATION YOLO“ ist die Durchquerung eines Minenfelds politisch-gesellschaftlicher Streitthemen in stetiger Bezugnahme auf die Sozialisation junger Leute. Vom Schulsystem über falsch verstandene Toleranz bis hin zu Gender-Mainstreaming, Flüchtlingskrise und Hipster-Bewegung: Nach dieser gallegeladenen Analyse von Inkompetenz, Ignoranz und Dummheit werden Sie garantiert noch wütender sein!“

Ich kann mir diesen jugendlichen Schreibheld sehr gut vorstellen – wie er z. B. von der Schule nachhause kommt und „aufgeladen“ ist. Oder wenn er von einer Party zurückkommt, auf der er sich all den Müll der politisch Korrekten anhören mußte. Dann tritt er erst mit dem Fuß gegen die Türbalken und greift dann zur Feder – Abreaktion der anderen Art.

Nein, Sebastian Böhm ist kein politisch Korrekter, er fällt aus dem Rahmen, den die Zeitgeistigen gerade für die junge Generation gezimmert haben. Sie werden wohl angesichts der Dreistigkeit des Autors eher ihre Magengeschwüre pflegen, als von ihrer Indoktrinierung Abstand zu nehmen. Selbsterkenntnis plagt sie nicht.

Böhm entlarvt sie, läßt kein gutes Haar an ihnen – schlimmer noch: Er läßt sie „alt aussehen“. Böhm gibt seiner gefestigten Meinung kraftvoll Ausdruck: Er hält dieses „Modern-tun-Gehabe“ für komplett veraltet, verkrustet, innovationsfeindlich.

Insoweit bietet das Buch auch einen überraschenden Aspekt: gegen die Einheitsgesellschaft. Die da laut schreien, sind nicht „die Jugend“, schon gar nicht die „besseren Menschen“, allenfalls „Bessermenschen“. Ob sie das noch sein wollen, wenn sie sich die Lektüre dieses aufregenden Buches reingezogen haben, darf füglich bezweifelt werden – die dafür nötige Kraft zur Selbsterkenntnis vorausgesetzt.

Und auch dieses Thema läßt Böhm nicht aus: Erfolg(-sstreben) verlangt Bildung! In Konsequenz dessen bemängelt er das Bildungssystem und die miserable „Allgemeinbildung“, wie sie heute an den Schulen vermittelt wird. Aber viele Jugendliche hätten einen unbestimmten Ehrgeiz, „etwas zu werden“. Da man dazu Bildungsnachweise benötigt, beklagt Böhm eine Art „Bildungsbulimie“, die unter den Schülern grassiere: Man lernt zwar intensivst für eine Prüfung, aber es bleibt nichts hängen, sondern wird nach Ableistung der Prüfung wieder „ausgekotzt“.

Hinzu kommt die Spielwiese „Internet“, die viele daran hindert, sich ernsthaft und dauerhaft mit einem Thema auseinanderzusetzen. Whats-App, Facebook & Co tun ein weiteres zur ständigen Abwechslung, so daß nichts in die Tiefe geht.

Eher amüsant ist des Autors Einblick in das Jungen-Leben von heute: Früher trugen Jungen, schreibt er, wie es ihrer Natur entspreche, Konflikte schon im Kindergarten „auch ´mal mit einer kleinen Rauferei“ aus. Heute seien die Knaben so verzärtelt, daß man – ge- bzw. ver-führt von „einfühlsamen“ Erziehern, die selbst konfliktscheu seien – Konflikte eher und lieber „ausdiskutiere“, statt sie auch mal mit den Fäusten auszutragen. „Jungen werden zu Weicheiern erzogen“ (Böhm). (Und denkt man darüber etwas offener nach, wird klar, warum 600-800 Frauen, die wohl nicht alle ohne männliche Begleitung waren, in der Silvesternacht zu Köln ohne „mannhafte“ Verteidigung blieben.)

Ein großartiges Buch, dem man viel Erfolg gönnt! Es hat nur einen kleinen Nachteil: Es wird nicht ersichtlich, an wen es sich wendet. An „die Jugend“? Ja! An die Lehrer und Erzieher? Ja! An die Öffentlichkeit? Ja! Aber alle diese Gruppen sind eine diffuse Masse, die man kaum „packen“ kann. Sie finden genügend Wegschleichpunkte. Wäre unser Bildungssystem nicht in einen „Kokon der ´68er“ gehüllt, müßte Böhms Buch spätestens ab Oberstufe zur Pflichtlektüre in den Schulklassen werden. Nötig wäre es!

**) Private Anmerkung: Ich habe als selbständiger Publizist mehr als vierzig Bücher und Broschüren geschrieben, darunter etliche Bestseller mit bis zu sieben Auflagen mit hunderttausenden Exemplaren. Ich bin besonders beeindruckt von der scheinbaren Leichtigkeit, mit der Böhm seine Feder führt. Die Lektüre wirkt an keiner Stelle ermüdend. Grund genug, sie zu lesen. Viel Erfolg, Herr Böhm!

Peter Helmes, Bonn, 10. Juni 2016

 

(Quelle: conservo.wordpress.com // vielen Dank an Peter Helmes)

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