Ein Fundstück wirft Fragen auf / Tage der offenen Tür 2016 in der Kunsthochschule Weißensee / 16./17. Juli 2016

Hatespeech und Hassposting sind die neudeutschen Termini für Hass in der analogen Welt und im Internet // „Weißensee ist zu weiß!“

 

Während der Blick der „gesellschaftlichen Aufklärer“ weit nach rechts gerichtet ist, scheint eine Kopfwendung nach weit links Fehlanzeige zu sein. Nur sind diskriminierende Kommentare, Äußerungen oder auch „visuelle“ Botschaften aus allen politischen Lagern zu verachten. Was ist mit Aussagen wie „Deutschland verrecke„, „Besorgte Bürger entsorgen“ oder Bürgern, die als „Pack“ bezeichnet werden? Richtig!

Das nachfolgende Beispiel in einem Schaukasten der Kunsthochschule Weißensee (gesehen am Tag der offenen Tür 2016) kann so ganz harmlos sein, denn es geht ja nur um die Farbe weiß. Deutsche könnten es als sog. „Weiße“ aber auch als Angriff auf ihre eigene Identität sehen. Wer würde über andere Bezirke schreiben, dass sie zu „schwarz“ sind? Man erkennt schnell wie grenzwertig eine Aussage sein kann – und dass damit Menschen in ihren Gefühlen verletzt werden können. So entsteht Rassismus. Und – Rassismus ist keine Einbahnstraße. Auch wenn das Beispiel in der KH anders gemeint war, was ungeklärt bleibt, zeigt es die Einseitigkeit der Diskussion im Sinne einer ideologischen Intention. Und die kann eine demokratische Gesellschaft nicht wollen.
Das Selbstverständnis der Achtung anderer steht in klarem Widerspruch zu einer Meinungs- und Gesinnungsdiktatur, die Deutschland nach zwei Diktaturen nie wieder braucht.

Gehen wir also davon aus, dass sich dieses Bildbeispiel nicht gegen „weiße“ Weißenseer richtet und damit kein Fall für Herrn Maas und Frau Kahane (Anm. 01) ist.

 

kw01

Fotografie: Martin Sachse / 07.16

Anm. 01

Von der Vorsitzenden der Amadeu-Antonio-Stiftung, Anetta Kahane stammen die nachfolgenden Zitate. Ich verzichte auf eine Wertung der Aussagen.

„Im Osten gibt es gemessen an der Bevölkerung noch immer zu wenig Menschen, die sichtbar Minderheiten angehören, die zum Beispiel schwarz sind….“

Es sei „die größte Bankrotterklärung der deutschen Politik nach der Wende“ gewesen, dass sie zugelassen habe, „dass ein Drittel des Staatsgebiets weiß blieb“

(Quelle: DER TAGESSPIEGEL, 15.07.2015, tagesspiegel.de/politik/fluechtlinge-in-deutschland-es-ist-zeit-fuer-einen-neuen-aufbau-ost/12062620.html)

Anmerkung in eigener Sache (nennen wir es Coming-out): Für mich als politisch Verfolgten der ehem. DDR ist „die größte Bankrotterklärung der deutschen Politik nach der Wende“, dass ehemalige „Systemkader“ der DDR wieder wichtige politische Ämter oder Positionen in Behörden, Stiftungen und Vereinen einnehmen konnten, die Straftaten gegen die politisch Verfolgten der DDR ungeahndet blieben und eine wirkliche Rehabilitierung dieser Menschen bis dato ausblieb.

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3 Responses to Ein Fundstück wirft Fragen auf / Tage der offenen Tür 2016 in der Kunsthochschule Weißensee / 16./17. Juli 2016

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