Im Syrien-Konflikt zeichnet sich keine Entspannung ab

Ein Konflikt mit dem Potenzial eines Flächenbrandes

 

Die 58. Wahl des Präsidenten und des Vizepräsidenten der USA am 08. November 2016 wirft ihre Schatten voraus. Wiederholt drängten Militärs vor den Wahlen die Politik zu Entscheidungen. In wie weit die derzeitige Eskalation zwischen Washington und Moskau in diesem Kontext steht, wird sich noch zeigen.

Die USA erwägen derzeit in Syrien eine Ausweitung ihres Engagements. In diese Zeit fällt die Absicht der russischen Staatsduma, bereits am Freitag ein neues Abkommen zwischen Moskau und Damaskus über die ständige Stationierung des Luftwaffenverbands in Syrien ratifizieren. Die undurchschaubaren Aktivitäten der USA und ihrer Verbündeten einschließlich einiger arabischer Staaten, so durch Waffenlieferungen an verschiedene Rebellengruppen, macht es immer schwieriger, die Lage zu bewerten.

Der Journalist Jürgen Todenhöfer war kürzlich nach Syrien gereist und hatte mit einem Kommandeur der Al-Nusra gesprochen. Dabei wurde auch über die komplexe Unterstützung der Rebellen in Form direkter und indirekter Hilfe, so durch Waffenlieferungen über Drittstaaten gesprochen. Jürgen Todenhöfer sagte in dem Interview mit Sputniknews: „Ich will das Weltbild des Mainstream stören! (…) Dieses Weltbild besteht darin, dass man sagt, in Syrien führt im Grunde nur eine Seite Krieg, nämlich die Regierung und die Russen. Aber wenn das wahr wäre, dass es nur von einer Seite ausgeht, dann wäre dieser Krieg längst beendet. Die Wahrheit ist, dass zwei Seiten einen brutalen Krieg gegeneinander führen….“

(Quelle: de.sputniknews.com/politik/20161006/312839315/todenhoefer-syrien-krieg-weltbild.html)

 

Die in westlichen Medien wiederholt aufgezeigten, vereinfachten Sichten zu Syrien, und die einseitigen Schuldzuweisungen an Russland halten den Fakten nicht Stand. Folge des Versagens der Diplomatie und unkontrollierter Waffenlieferungen ist eine weitere Verschärfung der Lage in Syrien. Nach Aussage von Sputniknews, die sich auf eine Veröffentlichung der Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ (Anm. 01) bezieht, werden mit dem neuen Abkommen zwischen Moskau und Damaskus die russischen Stützpunkte de facto russisches Territorium. Das hat Konsequenzen.

Sputniknews schreibt: „Nach der Ratifizierung eines solchen Abkommens werden die Stützpunkte in Syrien für die gesamte Vertragszeit de facto zu russischem Territorium. Dann wird es keinen Unterschied mehr geben, wohin eine gegnerische Rakete flog – auf den Stützpunkt Hmeimim oder nach Kamtschatka. Die zu erwartende Reaktion wird die (s) selbe sein.“

(Quelle: de.sputniknews.com/zeitungen/20161006/312837762/usa-gewalt-optionen-gegen-russland.html, Korrektur (s) durch den Blogautor)

 

Die Bedeutung der Stationierung und des neuen Abkommens zwischen Moskau und Damaskus zeigt sich in dem Artikel von Sputniknews u.a. in der nachfolgenden Aussage:

„Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Föderationsrats, Franz Klinzewitsch, brauche es westliche Partner nach der ständigen Stationierung der russischen Fliegerkräfte überhaupt nicht mehr zu interessieren, welche Kräfte und Mittel, außer Atomwaffen, zum Schutz genutzt würden.“

Syrien entfernt sich derzeit mehr den je von der Chance einer diplomatischen Lösung des Konflikts. Vielmehr hat die Entwicklung das Potenzial einer Ausweitung und das Übergreifen auf andere Regionen – das dieser Entwicklung immanente Konfliktpotenzial einer Konfrontation der Supermächte bleibt den Menschen der Region wie auch allen anderen hoffentlich erspart.

 

Anm. 01 // Russischer Originaltext (Auszug) auf „Nesawissimaja Gaseta“

„Любые ракетные или авиационные удары по территории, подконтрольной правительству Сирии, создадут явную угрозу российским военным. Об этом заявил сегодня на брифинге для журналистов официальный представитель Минобороны РФ генерал-майор Игорь Конашенков, комментируя информацию в западных СМИ о возможных ударах по войскам Сирии.“

(Quelle: www.ng.ru/news/557934.html)

 

Kontextuale Links:

01 / Ex-Vizepräsident der OSZE, Willy Wimmer, zur Lage in Syrien

02 / Stinger-Raketen an Dschihadisten?

03 / Russlands Außenminister Sergej Lawrow zu Erklärungen der USA zu möglichen Terroranschlägen in Russland

Advertisements

One Response to Im Syrien-Konflikt zeichnet sich keine Entspannung ab

  1. Pingback: Moskau spricht von einem „Pakt mit dem Teufel“ der USA im Syriekonflikt | text030

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: