Omer Fast: „Reden ist nicht immer die Lösung“

Der Martin-Gropius-Bau Berlin
stellt Arbeiten des Videokünstlers Omer Fast aus

 

In der Ankündigung zur Ausstellung heißt es:

„Er kreiert in seinen Filmen eine Narration, die die Grenzen zwischen eigener und medialer Erzählung sowie aktueller und historischer Ereignisse in Frage stellt. Sein Werk verweist auf das Spannungsverhältnis zwischen Dokumentation und Fiktion…“

(Quelle: Presse / Martin-Gropius-Bau)

 

fast01

Omer Fast // Fotografie: Martin Sachse / 17.11. 2016

Zur Ausstellung gehören Räume, die im Kontext zu den Videoarbeiten stehen und für Omer Fast prägend waren und sind, wie hier die Ausländerbehörde Berlin.
Diese Warteräume werden durch die Nutzung von Ausstellungsbesuchern „bespielt“ werden.

 

In seinen einführenden Worten bezog sich Gereon Sievernich (Direktor Martin-Gropius-Bau) auf die „dekonstruierende Vogehensweise“ von Omer Fast und sagte:

O-Ton 01

 

Der Martin-Gropius-Bau zeigt sieben Projekte von Omer Fast. Um es vorwegzunehmen. Dem Gropius-Bau ist in Zusammenarbeit mit dem Künstler eine sehenswerte Ausstellung gelungen.

Die Exposition umfasst folgende Projekte:

CNN Concatenated (2002)

Looking Pretty for God (2008)

5000 Feet is the Best (2011)

Continuity (2012)

Everything That Rises Must Converge (2012)

Spring (2016)

August (2016)

Omer Fast thematisiert in seinen Videoprojekten und Filmen Trauma, Krieg und Beziehungen. Dabei interessieren ihn Grenzüberschreitungen im direkten und übertragenem Sinn. Er spielt mit Wirklichkeit und Fiktion. Scheinbar reale Szenen bilden nicht einfach die Wirklichkeit ab. Alles kann auch anders abgelaufen sein. Omer Fast bezieht sich dabei auf Bertolt Brecht und seinen Verfremdungseffekt als dramaturgisches Stilmittel.

Die Ausstellung steht im Kontext der Reihe „IMMERSION“ / Analoge Künste im digitalen Zeitalter, die die Berliner Festspiele als neues Format für drei Jahre angelegt haben. „IMMERSION“  versteht sich hier als Eintauchen in eine virtuelle Umgebung. Der Rezipient wird so in die Handlung „hineingezogen“, so dass er selbst zum Protagonisten wird.

Das wird in der Ausstellung auch durch installierte Räume „provoziert“, wie Warteräume der Ausländerbehörde Berlin oder eines Flughafens, die gleichzeitig von den Besuchern durch Nutzung „bespielt“ werden und in denen Videoprojekte präsentiert werden,  die auf Monitoren laufen.

O-Ton 02 // Omer Fast zu den „installierten“ Warteräumen

 

Diese Räume haben für Omer Fast eine besondere persönliche Bedeutung, weil er häufig seine Zeit dort verbringen musste und muss. Oft entstehen dort seine Ideen.

Das Konzept ist überzeugend und konsequent. Die Warteräume dienen auch dem Verweilen vor einer nächsten Videopräsentation in den dafür abgedunkelten Räumen. So entsteht eine besondere Spannung zwischen den einzelnen Orten der Ausstellung.

Omer Fast ist ein prägender Vertreter der Film- und Videokunst. Er ist in Israel und den USA aufgewachsen und lebt seit 2001 in Berlin. Seine durch die eigene Biografie geprägten Erfahrungen fließen nicht vordergründig in die Projekte ein. Sie sind eine Art Matrix im Hintergrund.  Das macht den besonderen Reiz der Arbeiten aus.

 

Kurzbeschreibung der ausgestellten Arbeiten:

 

CNN Concatenated


CNN Concatenated aus dem Jahr 2002 ist eine Art“ Bildcollage“ des Fernsehsenders CNN. Kurze, fragmentierte Videosequenzen wurden zusammengefügt. Die Arbeit wurde von 2000 bis 2002 realisiert und umschließt damit zeitlich die Anschläge vom 11. September 2001, was für das Projekt durch die Änderung der Berichterstattung vor und nach dem Ereignis von besonderer Bedeutung ist.

 

Looking Pretty for God

 

Looking Pretty for God (2008) dokumentiert die Arbeit von Bestattern in Nordamerika. Hier wird die „Inszenierung“ des letzten Auftritts von Verstorbenen thematisiert. Omer Fast nimmt sich hier eines Sujets an, dass in einer Gesellschaft junger, erfolgreicher und dynamischer Mitglieder ausgeblendet wird. Übersetzt man den Titel mit „Gut aussehen für Gott“, wird der „Zustand“ des Übergangs vom Dies- ins Jenseits verfremdet und es stellen sich Fragen nach dem „Leben danach“. Im Film auftauchende Kinder können dabei auch als Quell neuen Lebens verstanden werden – als Metapher für das Kommen und Gehen in der Natur.

 

5000 Feet is the Best

 

5000 Feet is the Best wurde 2011 auf der 52. Venedig Biennale uraufgeführt. Der Film basiert auf Gesprächen mit einem US-Drohnenpiloten, die Omer Fast in einem Hotel in Las Vegas aufgenommen hat. Der Film ist auf Grund der Bedeutung der Drohnentechnologie für die aktuellen Kriege und der Anonymität des Tötens durch die räumliche Entfernung zwischen Drohnenpilot und Kriegsschauplatz ein außerordentliches Dokument der Zeitgeschichte – gleichzeitig sind die Übergänge zwischen Dokumentation, Nachstellung/Neuinszenierung (Reenactment) und Fiktion fließend. Die ins Video implementierte Kriminalität in und um Las Vegas ist dabei nicht nur Fiktion, sondern provoziert auch gesellschaftsethische Fragen zum Handeln der Drohnenpiloten.

O-Ton 03 // Omer Fast zum Drohnenkrieg

 

Continuity

 

Continuity (2012) wurde auch auf der Documenta 13 gezeigt. Contiunity handelt von einem aus Afghanistan rückkehrenden deutschen Soldaten. Die sich anschließende irritierende Handlung beschreibt „KINO DER KUNST“ im Ankündigungstext zu einem Künstlergespräch mit Omer Fast treffend:

„Sie kreist um ein deutsches Paar mittleren Alters, das voller Emotionen einen jungen Soldaten empfängt, der soeben aus Afghanistan zurückgekehrt ist. Was zunächst wie ein Familien-Drama erscheint, verunsichert zunehmend. Unterschiedliche junge Männer verbringen die Nacht im Haus des Paares und wiederholen dabei ein inszeniertes Ritual, dessen Kern und Absicht die Verarbeitung von Trauer sein könnte, das aber immer wieder ins Ödipale und Unheimliche abgleitet.“

(Quelle: kinoderkunst.de/web/de/programm/kuenstlergespraecheundprojektionen/omer-fast-continuity-html)

 

Spring

 

Die neue Arbeit „Spring“ von 2016 ist eine Videocollage von fünf miteinander verbundenen Projektionsflächen. Spring ist ein Begleitwerk zu der auch gezeigten Arbeit „Continuity“. In der Ankündigung der Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau zur Ausstellung wird die Arbeit so beschrieben:

„Ein Teenager findet einen Weg, um sich etwas Geld zu verdienen, indem er ein Paar mittleren Alters besucht und deren Sohn spielt. Auch ein älterer Callboy wird von dem Paar engagiert, verschwindet aber, nachdem er hier eine Bäckerei besucht. Die Arbeit springt in der Zeit vor und zurück und zeigt Charaktere, die verloren sind und wieder Anschluss suchen, bis sie schließlich ein überraschendes Ende mit zwei verschiedenen Perspektiven erreicht.“

(Quelle: berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb16_omer_fast/ausstellung_omer_fast/ausstellung_omer_fast_187029.php)

 

August

 

Das neue Projekt „August“ aus dem Jahr 2016 wurde in 3D realisiert. In einem der Warteräume vor dem wie bei allen Filmprojekten der Ausstellung abgedunkelten Räumen findet der Besucher die dafür notwendigen 3D-Brillen. Thema der Arbeit ist das Leben und Werk des Kölner Fotografen August Sander. Surreale Traumsequenzen konfrontieren den Künstler am Ende seines Lebens mit den von ihm fotografierten Figuren.

 

Die Ausstellung wird vom 18. November 2016 bis zum 12. März 2017 gezeigt. 

 

Nachfolgend weitere interessante Erklärungen von Omer Fast zu seinen Arbeiten // Pressekonferenz im Martin-Gropius-Bau

04

 

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06

 

Alle O-Töne // Martin Sachse / 11.2016

 

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