Postfaktisch ist Wort des Jahres 2016

Die Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. schießt ein Eigentor
par excellence

 

In der Begründung der GfdS heißt es u.a. / Zitat:

„Das Kunstwort postfaktisch, eine Lehnübertragung des amerikanisch-englischen post truth, verweist darauf, dass es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen heute zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten geht. Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren. Nicht der Anspruch auf Wahrheit, sondern das Aussprechen der »gefühlten Wahrheit« führt im »postfaktischen Zeitalter« zum Erfolg…“

(Quelle: gfds.de/wort-des-jahres-2016/)

 

Die Begründung, „Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren…“ kehrt die Fakten einfach um und bedient damit genau das Argumentationsmuster, gegen das es sich verwahren wollte. Denn die Bevölkerungsschichten haben das Spiel derer durchschaut, die Fakten im ideologischen Interesse interpretieren oder schlicht vorenthalten. Das einige glauben, die Deutungshoheit gepachtet zu haben, ist nicht neu. In der Umkehrung der Sachverhalte findet sich aber schon eine gewisse Dreistigkeit.

Die Entscheidung mag bei vielen berechtigte Wut hervorbringen.

Ich finde ein derartig gelungenes Eigentor ist eine wirkliche „Bereicherung“ der deutschen Sprachlandschaft und unserer Debattenkultur. Dafür herzlichen Dank!

Da ja nun von unseren Eliten für dieses Jahr (hoffentlich) alles gesagt ist, können wir uns endlich in Ruhe auf Weihnachten vorbereiten. Denn das kommende Jahr verspricht unter diesen Prämissen ein Jahr voller spannender Ereignisse – sprich Fakten – zu werden.

 

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One Response to Postfaktisch ist Wort des Jahres 2016

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