Nach Nizza nun Berlin // 19. Dezember 2016 // BREAK THE CROSS

Am Montagabend fuhr ein LKW in einen Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz.
Nach bisherigen Erkenntnissen war es ein gezielter Anschlag.

 

 

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Der Tatort wenige Tage zuvor // Fotografie: M. Sachse 12.2016

 

Wenige Tage zuvor hatte ich genau die Stelle passiert, wo nun der Anschlag verübt wurde. Ich war zu einer Weihnachtsfeier in einem Hochhaus am Zoo und hatte auf den Weihnachtsmarkt geschaut.. Das Foto oben zeigt den Blick aus dem Gebäude direkt am Bahnhof Zoo. Die Glocken der Gedächtniskirche läuteten. Ein Anker in der Metropole Berlin.
Dieser wurde nun für die Opfer zum Verhängnis.

Die Berliner Polizei nahm nach Hinweisen einen vermutlichen Täter fest. Heute (20. 12. 2016) wurde das wieder teilweise zurückgenommen. Die Polizei twitterte dazu:

„PolizeiBerlinEinsatz

@PolizeiBerlin_E

Der festgenommene Tatverdächtige streitet derzeit die Tat am #Breitscheidplatz ab. Wir sind daher besonders wachsam. Seien Sie es bitte auch

 

Bis zur endgültigen Aufklärung durch die vom Generalbundesanwalt übernommenen Ermittlungen verbieten sich Spekulationen – auch aus Respekt gegenüber den Opfern und Angehörigen. Nach bisherigem Stand starben 12 Menschen und es wurden zahlreiche verletzt. Auch wenn die Ermordung des russischen Botschafters gestern in der Türkei nicht im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt steht, stellt der 19. Dezember 2016 durch die Parallelität der Ereignisse eine besondere Markierung der Eskalation der Gewalt dar.

Der Tathergang von Berlin weist ein ähnliches Muster wie der Anschlag von Nizza auf, weshalb ich an das Ende des Beitrages mein Requiem für Nizza stelle, welches ich nach dem Anschlag von Nizza auf diesem Blog veröffentlicht habe.

In den vergangenen Monaten habe ich die IS-Publikationen BREAK THE CROSS (DABIQ/Issue 15) und Rumiyah (Issue 1) gelesen, wo u.a. auch auf die Anschläge von Würzburg und Ansbach eingegangen wurde. Dort finden sich Rechtfertigungen der Taten aus der Sicht der Autoren. So im nachfolgenden Zitat:

“Wenn wir die Länder des Kufr als unsere Heimat ansehen in der zu leben es sich lohnt, sind wir verlorene Träumer, deren Herzen vom Nifaq infiziert sind, die die Religion auf Theorie beschränken und zu feige und gemütlich sind, die Praxis anzuwenden.“

Mit Nifaq wird die Heuchlei umschrieben, die Muslimen vorgeworfen wird, die die „Praxis“ nicht anwenden. Der Streit um die Auslegung der Koransuren ist nicht neu, hat aber an Heftigkeit in den Debatten zugenommen. Durch Fundamentalismus und Fanatismus wird er zu einer existenziellen Bedrohung. Wir stehen offenbar erst am Anfang eines Konfliktes, der uns noch lange beschäftigen wird.

Beim Schreiben dieses Beitrages läuteten wie aus Trotz die Glocken einer naheliegenden Kirche in Berlin-Kreuzberg zum Gedenkgottesdienst.

 

Requiem für Nizza und Berlin / 15.07.2016-19.12.2016 // Realisiert mit SampleTank/Miroslav Philharmonik Mobile Edition

 

Nachtrag: 20. Dezember 2016 / 20.30

Der IS soll sich zum Anschlag in Berlin bekannt haben, berichten DER TAGESSPIEGEL und weitere Medien. Als Quelle wird die dem IS nahestehende Agentur „Amak“ angegeben.

(Quelle: www.tagesspiegel.de/berlin/gedaechtniskirche-is-bekennt-sich-zu-anschlag-in-berlin/19154764.html)

 

Nachtrag: 22. Dezember 2016 / 08.30

Seit Mittwochabend wird im Zusammenhang mit dem Lkw-Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt der Tunesier Anis A. gesucht. Ob er tatsächlich der Täter ist, werden erst nach Festnahme von Anis A. die Ermittlungen ergeben.

Zur Planung des Anschlages als Nachahmungsmuster der Tat von Nizza ist auch der nachfolgende Verweis auf die Publikation Rumiyah von Interesse, die ich bereits oben erwähnte.

In einem Artikel vom 20. Dezember 2016 geht die FAZ auf die „Anleitungen zum Töten“ in der Publikation Rumiyah ein und schreibt (Zitat):

„“Fahrzeuge sind wie Messer“, heißt es im Text, „sie sind leicht zu bekommen.“ Während es aber zu Problemen führen könne, ein Messer bei sich zu führen, sei ein Lastwagen vollkommen unverdächtig. Der sei „eine der sichersten und einfachsten Waffen, die man sich gegen Kuffar besorgen kann, während sie zugleich zu den tödlichsten Methoden des Anschlags zählt.“

(Quelle: www.faz.net/aktuell/politik/inland/zum-anschlag-in-berlin-fahrzeuge-sind-wie-messer-14583822.html / Den gesamten Artikel können Sie dort nachlesen)

 

Im September hatte Bundeskanzlerin Merkel im Interesse einer schnelleren Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vorgeschlagen (Zitat):

„Wir haben neulich im Kabinett diskutiert, dass das Umschreiben einer syrischen Fahrerlaubnis in eine deutsche 500 Euro kostet. Und natürlich hat ein Flüchtling nicht sofort 500 Euro. Also hilft da vielleicht ein Darlehensprogramm. Wenn man dann verdient, kann man diese 500 Euro zurückzahlen, es werden überall Kraftfahrer gesucht.“

(Zitatquelle: welt.de/politik/deutschland/article158160682/Kraftfahrer-gesucht-Merkel-gibt-Fluechtlingen-Tipps.html)

 

Es wäre Sarkasmus zu sagen: Offenbar hat sich der Fahrer des LKWs, der diesen in den Berliner Weihnachtsmarkt fuhr, nicht an die Umschreibung des Führerscheins gehalten.
Es zeigt aber auf, wie realitätsfern die Politik auf die Herausforderungen reagiert und welche desaströsen Folgen dieser Kontrollverlust hat.

Kanzlerin Merkel hatte den Vorschlag der Umschreibung von Führerscheinen in einem Interview mit dem rbb gemacht. Der Link war heute nicht mehr erreichbar (page not found – Seite nicht gefunden).

Die eingegebene Verschlagwortung führte zum Hinweis: „Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage – (…) – übereinstimmenden Dokumente gefunden.“

 

Nachtrag: 22. Dezember 20126 / 11.50

Mehrere Medien berichten über Hinweise, dass der Verdächtige Anis A. kein Unbekannter ist. So soll er auf der Flugverbotsliste der USA gestanden haben und war in Italien wegen mehrerer Delikte und Haft. Es stellt sich die Frage, wie trotz zahlreicher Hinweise, die Sicherheitsstruktur derartige Lücken aufweist. Auch die internationale Vernetzung und der Datenabgleich scheinen „Optimierungsbedarf“ zu haben. Man kann Kapazitäten binden, in dem politische Aktivisten „beobachtet“ werden, von denen keine einzige Straftat ausging und im Gegenzug Täter mit einschlägiger Biografie durch die Lücken der Überwachung springen lassen.

Die Gesellschaft muss sich endlich diesem Problem stellen und Prioritäten setzen. Dafür müssen die politischen Weichen gestellt werden.
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