Tag der Pressefreiheit // 03. Mai 2017

Presseerklärung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zum Tag der Pressefreiheit

 

Türkischer Journalist Can Dündar ruft zu mehr Mut auf

IGFM: Der „totale Erdogan-Staat“ geht uns alle an!

Frankfurt am Main (2. Mai 2017)

Zum internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai wendet sich die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) gegen Desinteresse, Gewöhnung und Fatalismus gegenüber der „Diktatur auf türkischem Boden“. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin erklärt: „Wir dürfen uns an die Journalistenverfolgung in der Türkei nicht gewöhnen. In einem Land, das uns so nahe steht, wird die Freiheit von Millionen Menschen erdrosselt. Ist ihre Freiheit weniger wert als unsere? Der ‚totale Erdogan-Staat‘ geht uns alle an!“

Can Dündar, der langjährige Chefredakteur der „Cumhuriyet“ – der bedeutendsten demokratischen Zeitung in der Türkei – rief zu mehr Zusammenarbeit und Mut auf. Gegenüber der IGFM appellierte er: „Als Journalist kann ich Ihnen sagen, dass wir mutige Journalisten und Menschenrechtler brauchen, die sich gegenseitig unterstützen, um die Angriffe auf Freiheit und Menschenrechte zu überwinden. Deswegen sollten wir noch viel mutiger sein, noch viel stärker auf einander zugehen, zusammenkommen, zusammenarbeiten und uns gegenseitig helfen“.

„Erdogans prominentestes Opfer ist die Pressefreiheit“
Dündar hatte über geheime Waffenlieferungen der Regierung Erdogan an islamistische Milizen in Syrien berichtet. Die türkische Regierung bestritt nie die Richtigkeit des Berichtes, sie warf dem Journalisten aber „Geheimnisverrat“ vor und verhaftete ihn. Er war zunächst drei Monate in Einzelhaft, überlebte ein Attentat und wurde schließlich zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Er lebt gegenwärtig im Exil in Berlin.

„Der größte Gegner jeder Diktatur sind Presse- und Informationsfreiheit. Deshalb ist Erdogans prominentestes Opfer die Pressefreiheit“, unterstreicht die IGFM. Unabhängige Journalisten bekommen das am eigenen Leib zu spüren: „In einem Land wie der Türkei weiß man als erfahrener Journalist, welche Berichte das eigene Leben in Gefahr bringen können, welche Sätze man nicht in seinen Artikeln verwenden sollte und welche Wörter und Sätze man nicht sagen sollte“, erläutert Can Dündar.

Trotz Entlassungen, Verhaftungen, Misshandlungen und willkürlicher Gefängnisstrafen gibt es nach wie vor türkische Journalisten, die den Mut aufbringen, über Menschenrechtsverletzungen und Rechtsbrüche der Regierung zu berichten. Dieser Mut könne nicht hoch genug gewürdigt werden, so die IGFM: „Wer in der Freiheit dazu schweigt, fällt ihnen in den Rücken“.

„Die Türkei ist eine Diktatur geworden“
Seit dem Putschversuch vom 15. Juli sind rund 100.000 Menschen aus dem öffentlichen Dienst entlassen und über 100.000 Menschen verhaftet worden. Über 40.000 davon werden nach wie vor gefangen gehalten, oft ohne Anklage, ohne Akteneinsicht und ohne irgendeine Möglichkeit zur Verteidigung. 28 Fernsehsender, fünf Nachrichtenagenturen, 66 Zeitungen, 19 Zeitschriften, 36 Radiosender und 26 Verlage wurden von der Regierung Erdogan geschlossen. „Rechtstaatlichkeit existiert in der Türkei nicht mehr. Die Türkei ist eine Diktatur geworden“, kritisiert die IGFM.

(Quelle: Presse, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, IGFM, igfm.de/tuerkei)

 

 

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