Pläne zur Straßenumbenennung – Kritikwürdiges Geschichtsverständnis

Pressemitteilung der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus

 

Berlin // 01. Juni 2017

 

Der Kulturpolitische Sprecher der Fraktion der Alternative für Deutschland im Abgeordnetenhaus, Dr. Hans-Joachim Berg, kritisiert die geplanten Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel in Wedding scharf:

„Die rotrotgrüne Mehrheit in der BVV Mitte zeigt mit den Plänen zur Umbenennung von Petersallee, Lüderitzstraße und Nachtigalplatz, dass sie von einem ahistorischen und revisionistischen Ungeist beseelt ist. Anstatt die Straßennamen im Afrikanischen Viertel als Teil der deutschen Geschichte anzunehmen und sie falls nötig durch entsprechende Zusätze kritisch zu begleiten, soll Geschichte ausradiert werden – ein typisches Vorgehen von Diktaturen.

 

Diese geschichtsrevisionistische Bilderstürmerei ist daher an sich schon falsch. In Bezug auf die Petersallee und den Nachtigalplatz wird sie jedoch zur Groteske, denn die Namensgeber waren hoch ehrenhafte Personen:

Gustav Nachtigal war zwar für ein Jahr Reichskommissar für Deutsch-Westafrika, er stand dem Kolonialregime aber äußerst widerstrebend gegenüber. Wie aus seinen Briefen ersichtlich ist, nahm er die ihm von Bismarck angetragene Position überhaupt nur deshalb an, weil er sich erhoffte, durch europäische Verwaltung Afrikas den Sklavenhandel beenden zu können.

Nachtigals eigentliche Bedeutung liegt außerdem nicht in seiner kurzen Arbeit für die Kolonialverwaltung, sondern in seiner vorherigen langjährigen Tätigkeit als Afrikaforscher. Hier zeichnete er sich vor allem dadurch aus, dass er, anders als seine Zeitgenossen, die Afrikaner nicht als minderwertige Rasse betrachtete und stets bestrebt war, ihre Kultur zu verstehen. Er gilt heute neben Heinrich Barth als der wissenschaftlichste Afrikaforscher überhaupt. Wer seinen Namen aus dem Straßenbild entfernen will, geht sowohl der Propaganda des Kaiserreiches als auch der der DDR auf den Leim, die beide, wenn auch mit unterschiedlichen Vorzeichen, Nachtigal als Kolonialhelden inszenierten.

Die Petersallee wiederum ist seit mehr als 30 Jahren dem Rechtswissenschaftler Hans Peters gewidmet. Peters war während des NS-Regimes Mitglied der Widerstandsgruppe ‚Kreisauer Kreis‘ um Helmuth James Graf von Moltke und zählte zu den Autoren der Verfassung von Berlin. Dass Rotrotgrün in Mitte die Ehrung dieses Mannes im Straßenbild beseitigen will, weil die Straße früher nach einem anderen Peters benannt war, der in die Kolonialgeschichte verstrickt war, zeugt von einer derart geschichtsblinden Herangehensweise, dass man sich darüber amüsieren könnte, wäre es nicht so unfassbar dumm und dem Ansehen Berlins schädlich.

Vollends lächerlich werden die Umbenennungspläne, wenn man sich die nun vorgeschlagenen Namenspaten anschaut. Sie haben allesamt nicht das geringste mit Berlin zu tun und haben sich (im Gegensatz zu Nachtigal und Peters) keinerlei Verdienste um Berlin oder Deutschland erworben. Überdies ist es den Anwohnern nicht zuzumuten, abenteuerliche Namensungetüme wie ‚Yaa-Asantewaa-Straße‘ oder ‚Wangari-Maathai-Platz‘ als Anschrift zu bekommen.

Letztlich gibt es noch eine ganze Reihe von verdienten Berlinern, die bis heute nicht im Straßenbild geehrt wurden. Ich denke zum Beispiel an die Schauspielerinnen Brigitte Mira und Edith Hancke, die Kabarettisten Inge Wolffberg, Christiane Maybach, Wolfgang Gruner und Achim Strietzel, die Chansonsängerin Evelyn Künnecke oder den Liedermacher Ulrich Roski. Sie alle wären tausendmal geeigneter, mit einer Straße in Berlin geehrt zu werden als die von den Umbenennungsfanatikern an den Haaren herbeigezogenen afrikanischen Persönlichkeiten.“

(Quelle: Presse, AfD-Fraktion Berlin, Abgeordnetenhaus von Berlin)

 

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